Als Betreiber einer raumlufttechnischen Anlage stehen Sie vor der Herausforderung, die hygienische Qualität Ihrer Lüftungsanlage dauerhaft sicherzustellen. Die VDI 6022 gibt klare Vorgaben – doch welche Punkte müssen Sie bei der Hygieneinspektion konkret prüfen? Diese Checkliste verschafft Ihnen einen strukturierten Überblick über alle relevanten Inspektionspunkte und hilft Ihnen, Hygienemängel frühzeitig zu erkennen.

Was ist eine Hygieneinspektion nach VDI 6022?

Die Hygieneinspektion ist eine systematische Sichtprüfung Ihrer RLT-Anlage zur Bewertung des hygienischen Zustands. Anders als die umfassende Reinigung oder Wartung konzentriert sich die Inspektion darauf, potenzielle Hygienemängel zu identifizieren und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Die VDI 6022 Blatt 1 unterscheidet zwischen:

  • Erstinspektion: Bei Inbetriebnahme oder nach umfassenden Umbaumaßnahmen
  • Regelmäßige Hygieneinspektionen: Mindestens alle drei Jahre, bei erhöhten Anforderungen (z. B. Gesundheitswesen) häufiger
  • Anlassbezogene Inspektionen: Bei Verdacht auf Kontamination, nach längeren Stillstandzeiten oder bei Nutzerwechsel

Warum ist eine strukturierte Checkliste unverzichtbar?

Eine systematische Checkliste stellt sicher, dass bei der Hygieneinspektion keine kritischen Bereiche übersehen werden. RLT-Anlagen sind komplex – von der Außenluftansaugung über Filteranlagen und Wärmetauscher bis zu den Luftauslässen in den Räumen. Jede Komponente kann zur Quelle mikrobieller Kontamination werden, wenn sie vernachlässigt wird.

Ohne strukturierte Vorgehensweise besteht das Risiko, dass:

  • Versteckte Hygienemängel unentdeckt bleiben
  • Die Dokumentation lückenhaft ausfällt
  • Prüfstellen und Behörden die Inspektion nicht anerkennen
  • Gesundheitsrisiken für Gebäudenutzer entstehen

Checkliste Hygieneinspektion – alle Prüfpunkte im überblick

1. Außenluftansaugung und Umgebungsbedingungen

Zu prüfende Aspekte:

  • Ist die Ansaugöffnung frei von Verschmutzungen (Laub, Vogelkot, Staub)?
  • Befinden sich Schadstoffquellen in der Nähe (Parkplätze, Müllbereiche, Abluftauslässe)?
  • Ist ein Wetterschutzgitter vorhanden und intakt?
  • Gibt es Anzeichen für Vogelnester oder Tierkot im Ansaugbereich?
  • Ist der Mindestabstand zu kontaminationsträchtigen Bereichen eingehalten?

Häufiger Mangel: Außenluftansaugungen werden oft vernachlässigt, da sie schwer zugänglich sind. Dabei gelangen hier bereits erste Verunreinigungen in das System.

2. Filteranlagen (Außenluft- und Umluftfilter)

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind Filter korrekt eingebaut und dicht?
  • Zeigen Filter sichtbare Verschmutzungen oder Durchfeuchtungen?
  • Ist die Filterklasse für den Einsatzzweck angemessen?
  • Funktioniert die Differenzdruckmessung zur Filterzustandsüberwachung?
  • Sind Filterwechselintervalle dokumentiert und eingehalten?
  • Gibt es Anzeichen für Bypass-Strömungen (Luft strömt am Filter vorbei)?

Expertenhinweis: Durchfeuchtete Filter sind ideale Nährböden für Mikroorganismen. Selbst hochwertige Filter verlieren ihre Funktion, wenn sie durch Feuchtigkeit kompromittiert werden.

3. Lufterhitzer und Luftkühler (Wärmetauscher)

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind die Lamellen frei von Staub, Schmutz und mikrobiellen Belägen?
  • Gibt es sichtbares Kondenswasser oder Feuchtigkeitsspuren?
  • Funktioniert die Kondenswasserableitung einwandfrei?
  • Sind Kondensatwannen sauber und ohne stehendes Wasser?
  • Gibt es Geruchsbildung im Bereich der Wärmetauscher?

Kritischer Punkt: Luftkühler mit Kondenswasserbildung zählen zu den hygienisch sensibelsten Komponenten. Hier entstehen häufig mikrobielle Kontaminationen, wenn die Entwässerung nicht einwandfrei funktioniert.

4. Befeuchter (falls vorhanden)

Zu prüfende Aspekte:

  • Welches Befeuchtungssystem ist installiert (Dampf, Verdunstung, Düsen)?
  • Ist das Befeuchterwasser mikrobiologisch einwandfrei?
  • Sind Befeuchtermatten oder Düsen frei von Biofilm und Ablagerungen?
  • Funktioniert die Wasseraufbereitung ordnungsgemäß?
  • Gibt es Anzeichen für Legionellenwachstum (besonders bei Düsenbefeuchtern)?

Wichtig: Befeuchtersysteme erfordern besondere Aufmerksamkeit. Die VDI 6022 fordert hier regelmäßige mikrobiologische Untersuchungen.

5. Luftkanäle und Leitungssystem

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind die Kanäle innen sauber oder zeigen sie Staubablagerungen?
  • Gibt es sichtbare Verschmutzungen an Revisionsöffnungen?
  • Sind ausreichend Inspektionsöffnungen vorhanden?
  • Zeigen sich Feuchteschäden oder Korrosion?
  • Ist die Dämmung intakt und trocken?
  • Gibt es unzulässige Durchdringungen oder offene Verbindungen?

Praxistipp: Nutzen Sie Revisionsöffnungen für Stichproben. Eine vollständige Sichtkontrolle aller Kanäle ist meist nicht möglich – dokumentieren Sie die geprüften Bereiche genau.

6. Ventilatoren und Antriebe

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind Ventilatorräder und Laufräder frei von Verschmutzungen?
  • Gibt es Öl- oder Fettverschmutzungen durch Lagerabrieb?
  • Sind die Gehäuse innen sauber?
  • Funktioniert die Entwässerung im Ventilatorbereich?
  • Sind alle zugänglichen Bereiche inspizierbar?

7. Luftauslässe und Luftdurchlässe in den Räumen

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind Auslässe frei von Staub und Verschmutzungen?
  • Gibt es Verfärbungen, die auf mikrobielle Belastung hindeuten?
  • Funktioniert die Luftverteilung ordnungsgemäß (keine Zugerscheinungen)?
  • Sind Lamellen beweglich und nicht verklebt?
  • Gibt es Anzeichen für Kondensation?

Hinweis: Luftauslässe sind für Gebäudenutzer sichtbar und beeinflussen deren Wahrnehmung der Luftqualität maßgeblich. Verschmutzte Auslässe untergraben das Vertrauen in die gesamte Anlage.

8. Abluftbereich und Fortluftauslässe

Zu prüfende Aspekte:

  • Sind Abluftkanäle frei von Fett- und Staubablagerungen?
  • Funktioniert die Fortluftführung ohne Rückströmung?
  • Gibt es bei Küchenabluftanlagen Fettablagerungen (Brandschutzrisiko)?
  • Ist der Abstand zwischen Fort- und Außenluft ausreichend?

Dokumentation der Hygieneinspektion – Das gehört ins Protokoll

Eine Hygieneinspektion ist nur dann rechtssicher, wenn sie lückenlos dokumentiert wird. Das Inspektionsprotokoll sollte mindestens folgende Punkte umfassen:

  • Objektdaten: Gebäudebezeichnung, Anlagenidentifikation
  • Inspektionsdatum und Inspektionspersonal (mit Qualifikationsnachweis nach VDI 6022)
  • Geprüfte Anlagenkomponenten mit Bewertung des hygienischen Zustands
  • Fotodokumentation kritischer Bereiche
  • Handlungsempfehlungen mit Priorisierung (sofort/kurzfristig/mittelfristig)
  • Unterschrift des verantwortlichen Hygieneinspektor

Die Dokumentation muss für Prüfstellen, Gesundheitsämter und Arbeitsschutzbehörden jederzeit verfügbar sein.

Typische Hygienemängel und ihre Ursachen

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Aus unserer jahrzehntelangen Praxis kennen wir die häufigsten Hygienemängel:

Mangel 1: Durchfeuchtete Filteranlagen Ursache: Fehlende oder defekte Tropfenabscheider, undichte Luftkühler, unzureichende Kondensatentwässerung

Mangel 2: Biofilm in Kondensatwannen Ursache: Stehendes Wasser durch verstopfte Abläufe, fehlende regelmäßige Reinigung

Mangel 3: Staubablagerungen in Luftkanälen Ursache: Unzureichende Filterung, zu seltene Reinigung, Bypass-Strömungen an Filtern

Mangel 4: Fettablagerungen in Küchenabluftanlagen Ursache: Fehlende oder zu seltene Reinigung, unzureichende Abscheidegrade der Filter

Mangel 5: Mikrobielle Kontamination von Befeuchtern Ursache: Fehlende Wasseraufbereitung, zu lange Stillstandzeiten, unzureichende Wartung

Wann ist eine Reinigung statt Inspektion erforderlich?

Die Hygieneinspektion dient der Bewertung – nicht der Beseitigung von Mängeln. Werden bei der Inspektion relevante Verschmutzungen festgestellt, ist eine professionelle Reinigung nach VDI 6022 zwingend erforderlich.

Folgende Befunde machen eine Reinigung notwendig:

  • Sichtbare Staubablagerungen in Kanälen oder auf Komponenten
  • Biofilm oder mikrobielle Beläge auf Oberflächen
  • Fettablagerungen in Küchenabluftanlagen (Brandschutzrisiko)
  • Durchfeuchtungen oder Feuchtigkeitsschäden
  • Geruchsbildung durch organische Ablagerungen
  • Überschreitung mikrobiologischer Grenzwerte

Herausforderung 3: Schwankende Nutzungsintensität

In Besprechungsräumen, Schulklassen oder Veranstaltungssälen schwankt die Personenzahl stark. Statische Lüftungssysteme können nicht flexibel auf diese Veränderungen reagieren.

Lösungsansatz: Implementieren Sie ein intelligentes Gebäudemanagementsystem mit sensorgestützter Steuerung. CO₂- und Präsenzsensoren passen die Lüftungsleistung automatisch an die tatsächliche Raumnutzung an und optimieren so Luftqualität und Energieverbrauch gleichermaßen.

Hygieneinspektion vs. Wartung – Der Unterschied

Viele Betreiber verwechseln Hygieneinspektion und Wartung. Die Unterschiede sind jedoch grundlegend:

 

Hygieneinspektion  Wartung
Bewertung des hygienischen Zustands Funktionstüchtigkeit sicherstellen
Sichtprüfung, Stichproben, mikrobiologische Kontrolle Filterwechsel, Nachjustierung, Instandhaltung
Durch qualifizierte Hygieneinspektoren (VDI 6022 Kategorie A/B) Durch Wartungsfachpersonal
Alle 3 Jahre (Regelfall) Je nach Herstellervorgabe (meist jährlich)
Ergebnis: Inspektionsprotokoll mit Handlungsempfehlungen Ergebnis: Wartungsprotokoll, Anlagenprotokoll

Optimal: Kombinieren Sie regelmäßige Wartung mit planmäßigen Hygieneinspektionen. So bleiben Ihre Anlagen funktionsfähig und hygienisch einwandfrei.

Praxis-Checkliste zum Download-Format

Vor der Inspektion

[ ] Anlagenpläne und Bestandsdokumentation bereitstellen

[ ] Zugang zu allen relevanten Anlagenkomponenten sicherstellen

[ ] Leitern, Gerüste oder Hubarbeitsbühnen organisieren

[ ] Vorherige Inspektionsprotokolle und Wartungsnachweise bereitlegen

[ ] Betriebszeiten und Nutzungsprofile dokumentieren

Während der Inspektion

[ ] Alle Komponenten gemäß Checkliste systematisch prüfen

[ ] Auffälligkeiten fotografisch dokumentieren

[ ] Stichproben an kritischen Stellen entnehmen

[ ] Messwerte erfassen (Luftmengen, Temperaturen, Druckdifferenzen)

[ ] Mit Anlagenpersonal Auffälligkeiten besprechen

Nach der Inspektion

[ ] Inspektionsprotokoll erstellen

[ ] Handlungsempfehlungen priorisieren

[ ] Verantwortliche über Mängel informieren

[ ] Folgemaßnahmen planen (Reinigung, Wartung, Reparatur)

[ ] Nächsten Inspektionstermin festlegen

FAQ – Häufige Fragen zur Hygieneinspektion

1. Ist die Hygieneinspektion nach vdi 6022 pflicht?

Die VDI 6022 ist eine anerkannte Regel der Technik, keine Rechtsnorm. Dennoch ergibt sich eine faktische Verpflichtung aus der Betreiberhaftung und der Arbeitsstättenverordnung. Betreiber müssen den hygienisch einwandfreien Zustand ihrer RLT-Anlagen nachweisen können, die Hygieneinspektion ist dafür das zentrale Instrument.

2. Wer darf eine Hygieneinspektion durchführen?

Hygieneinspektionen dürfen nur durch speziell geschultes Personal erfolgen. Die VDI 6022 unterscheidet zwischen Hygieneinspektoren der Kategorie A (umfassende Inspektionen) und Kategorie B (einfache Sichtkontrolle). Achten Sie auf entsprechende Qualifikationsnachweise.

3. Wie lange dauert eine Hygieneinspektion?

Die Dauer hängt von Größe und Komplexität der Anlage ab. Für typische Gewerbeimmobilien sollten Sie mit 2-4 Stunden rechnen. Großanlagen oder verzweigte Systeme können auch einen ganzen Tag in Anspruch nehmen.

4. Was kostet eine Hygieneinspektion?

Die Kosten sind objektabhängig und richten sich nach Anlagengröße, Zugänglichkeit und Komplexität. Pauschale Preise sind unseriös, da jede Anlage individuell betrachtet werden muss. Rechnen Sie mit Kosten im mittleren dreistelligen bis unteren vierstelligen Bereich für Standardobjekte.

5. Kann ich die Hygieneinspektion selbst durchführen?

Grundsätzlich ja – wenn Sie über die erforderliche Qualifikation nach VDI 6022 verfügen. In der Praxis empfiehlt sich jedoch die Beauftragung eines neutralen, erfahrenen Dienstleisters. Dieser bringt die notwendige Objektivität und jahrelange Erfahrung mit.

6. Was passiert, wenn Mängel festgestellt werden?

Werden Hygienemängel dokumentiert, müssen Sie als Betreiber handeln. Je nach Schweregrad sind sofortige Maßnahmen (z. B. bei mikrobieller Kontamination) oder mittelfristige Planungen (z. B. bei leichten Staubablagerungen) erforderlich. Das Inspektionsprotokoll gibt klare Handlungsempfehlungen.

Mit System zur hygienisch einwandfreien RLT-Anlage

Eine strukturierte Hygieneinspektion nach VDI 6022 ist der Schlüssel zu rechtssicherer Dokumentation und gesunder Raumluft. Mit dieser Checkliste prüfen Sie systematisch alle relevanten Anlagenkomponenten und erkennen Hygienemängel, bevor sie zum gesundheitlichen oder rechtlichen Risiko werden.

Entscheidend ist nicht nur die Inspektion selbst, sondern auch die konsequente Umsetzung der abgeleiteten Maßnahmen. Nur so gewährleisten Sie dauerhaft die hygienische Qualität Ihrer raumlufttechnischen Anlagen.

Sie möchten Ihre RLT-Anlage durch erfahrene Spezialisten inspizieren lassen? Als Familienunternehmen mit über 40 Jahren Erfahrung und mehr als 150.000 erfolgreich durchgeführten Aufträgen stehen wir Ihnen mit qualifizierten Hygieneinspektoren nach VDI 6022 zur Seite. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Inspektionstermin – wir dokumentieren den Zustand Ihrer Anlage lückenlos und geben Ihnen konkrete Handlungsempfehlungen.